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中国 :: China :: Zorn und Eifer

China

Steine, harte.

Fesch

Zorn ist das.

Es könnt aber auch unter dem Arbeitstitel Verwunderung, Lernprozess oder Verständnis firmieren, wenn der Autor etwas mehr interkulturelle Kompetenz einbrächte. Nun, betrachten wir unser stattgehabtes Trauma aus des Autors Perspektive, nämlich oberflächlich:

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Mein neuer 同屋, seines Zeichens Chef einer eklektizierten Sechserbande ist Zentrum und Ausgangspunkt. Diese Sechs stehen im Dienst der Steinindustrie, die hier in 厦门 sowohl die weltweit größte Konzentration aufweist, als auch dieser Tage die größte Messe auf Beine stellt, die teilweise irden sind.

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Als Ausländer in China ist das größte Asset, ein solcher zu sein. Da mag man dumm und blöd sein, daß die Feder aus dem Brett steigt, man mag Nebenluft ziehen oder ein Loch in der Socke haben (*1) - alles nichtig gegen weiße Haut und lange Nase. In dem Sinne (und es bleibt zu hoffen, vielleicht doch vielleicht noch in anderem) nähert sich unser diplomierter Außenhändler und 同屋 dem Verfasser und erbittet seine heilige Präsenz an ebenjener Messe um China und die restliche Welt zu erregen. Selbsverfreilich erfreut das und scheint Erfahrungspotential in Sachen „Chinesisches Geschäft” zu bieten.

zhanlanhui

Mag die Messe auch um 8:30 starten, wir fahren um 7:30 nicht ins Messezentrum, sondern schlürfen um acht im staubedrängten Stadtzentrum in irritierender Ruhe unseren Reisbrei, sitzen um 8:20 in der Maschine und stellen um 8:25 erstaunt fest, daß es, öha, spät ist. Nun, mit einem Zeitverlauf hat niemand gerechnet. Angekommen, auspackend und im Besucherstrom vorbereitend bemerkt man, daß es für die hochgradig europäische und somit coole Kaffeemaschine keine Abstellmöglichkeit gibt. Und das, wo sie uns doch Einzigartigkeit schenken hätte sollen. 没关系, ein interessanter Tag läuft ab, und um 16:00 beschließt man, mir nun doch meine eigenen Visitenkarten zu geben, vielleicht kommt ja noch der Sultan von Brunei rüber und kauft unseren Steinbruch.

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Ein harter Arbeitstag endet für den Verfasser, nicht für die Sechserbande, deren nächtliche Aufgabe es ist, jedem Kontakt per email Daten, Testergebnisse und Preise der Produkte zu senden. Brav und tüchtig, man ist ein wenig beeindruckt.

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Nächsten Tages erfreut man sich weiterer Geschäftsleute aller Herren Länder. Da kommt die israelische Geschäftsdame, deren vielfältige Heftigkeit bei Laune hält, der iranische Polterer, der mit zweihundert Containern auftritt und ebenso lärmend mit 50 cm² Sample bald wieder abzieht, der ägyptische Graniteur, der in pharaonesker Luxussucht alte Zeiten aufleben läßt, der französische Elitarist, der unter 895648 Steinen dieser Messe genau drei für gut erachtet, der italienische Kenner, der finanzignorant und ästhetikbewußt die Haßliebe zum Südnachbarn in verzeihende Zuneigung verwandelt, und ganz am Schluß, wie er es nunmal tut, der Österreicher, der sein Gartenmauerl neuerdings in Neun-Euro-Granit wünscht.

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Nach drei von fünf Messetagen und geschätzten erfolgten 80% aller Kontakte bemerkt man ein irritierendes Detail, dessen technische Möglichkeit alleine schon unwirklich scheint: Es gibt keine emails. Oder besser gesprochen: Man hat vergessen, die Providergebühr zu zahlen, was naturgemäß im Ende jeglichen Providerservices endet. Achthundert  gesandte emails, hundert empfangene emails - sind es nicht geworden. Man mag voll Unbehagen erahnen, was das in europäischen Betrieben bedeutet; in China heißt das: Erstmal fest Gesicht bewahren! Soll dieses tiefverwurzelte und aus proletarischer Missinterpretation konfuzianischer Prinzipien erwachsene Paradigma zu sozialer Harmonie beitragen [oder vielmehr zu Wachkoma, Anm.],  so tritt es in der Realität schier als Hemmschuh jeglichen Fortschritts auf. Also: Totschweigen, lachen, weitermachen.

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Nun, wir haben auch ein Wenig gelernt, namentlich, daß der ganze Trick hier eigentlich im Großen wie im Kleinen ein Planungsvakuum ist. Als Europäer möchte man planen, festlegen, prognostizieren, als Chinese schaut man. Wenn ich als Europäer den Regen nicht vorraussehen kann, dann steht mein Waterloo an. Wenn ich meinen Hannibal nicht handstreichartig wegfege, dann heißt man mich einen Zauderer. Es ist zutiefst westlich, mein Ansinnen in „Befehl, Auftrag, Durchführung” auszusprechen, und demnach wird der Plan formuliert. Der Chinese tut’s nicht und daher kann er es nicht. Er kann „Pfeile borgen” oder sein abgehauenes Pferd schätzen, doch selbst als General ist er kein Planer, sondern Erkenner der Situation. Die Neigung und Tragfähigkeit der Bedingungen werden gesehen und friktionsminimiert in einen guten Ausgang verwandelt. Mal schauen, was die Bücher der nächsten Wochen erzählen.

Doch bitte, reißt euch dennoch ein wenig zusammen, und verbockt nicht alles so plöd…

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(*1) Vier Fäuste für ein Halleluja

Am Sonntag, dem 29. 3.,  gibts Neuigkeiten aus Taiwan. Stay tuned in!

Captain’s Log, supplemental: Es wird der 30. 3. - 不好意思!

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